Für Kaffeeliebhaber ist es ein Schock: Bei fast jeder Packung zahlt ihr unbemerkt drauf.
Eine aktuelle Stichprobe der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt bringt eine unangenehme Wahrheit für Kaffeetrinker ans Licht: In Kaffeepackungen steckt fast nie die Menge, die draufsteht. Von 46 getesteten Ein-Kilogramm-Packungen enthielten 44 weniger als angegeben. In nur 2 Packungen war etwas mehr drin. Für euch als Kunden bedeutet das, dass ihr regelmäßig für Kaffee bezahlt, den ihr gar nicht erhaltet.
Wer jetzt Betrug wittert, wird enttäuscht sein, denn das Gesetz erlaubt gewisse Toleranzen. Bei einer Ein-Kilogramm-Packung darf der Inhalt bis zu 15 Gramm leichter sein. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass andere Packungen derselben Produktionscharge dieses Minus durch eine Überfüllung ausgleichen. Das ist bekannt als sogenanntes „Mittelwertprinzip“.
Die Stichprobe zeigte jedoch, dass dieses Gleichgewicht in der Praxis oft nicht existiert, da nur zwei der 46 getesteten Packungen überhaupt mehr Kaffee enthielten als versprochen. Deswegen fordert die Verbraucherzentrale eine Abkehr vom Mittelwertprinzip hin zum Mindestmengenprinzip. Dann dürfte die angegebene Füllmenge nur überschritten, aber nie unterschritten werden (Quelle: Bonner General-Anzeiger).
Das Problem der Unterfüllung beschränkt sich nicht nur auf Kaffee. Auch bei Stichproben von Mehl und Kartoffeln stellten die Tester Abweichungen fest, während Produkte wie Heidelbeeren, Mandeln und Frischkäse positiv abschnitten.
Die Situation beim Kaffee ist allerdings besonders ärgerlich, da die Preise für die Bohnen aufgrund von Ernteausfällen in den letzten Monaten ohnehin schon stark gestiegen sind. Wer auf den heißen Wachmacher nicht verzichten kann, muss also aktuell kreativ werden. Da heißt es, nach Angeboten Ausschau halten, wie etwa bei Aldi. Der Discounter steht allerdings in der Kritik – wegen zu günstiger Kaffeepreise.
Bis zu 15 Gramm weniger Kaffee pro Packung – was heißt das eigentlich für den einzelnen Kunden? Insgesamt beziffert die Verbraucherzentrale die unnötigen Kosten auf rund 12 Millionen Euro für den gesamten deutschen Markt. Das entspreche rund 600 Tonnen Kaffee beim Kilopreis von rund 20 Euro, die zwar bezahlt, aber nie verkauft werden.
Für den einzelnen Kaffeegenießer sind die Auswirkungen natürlich weitaus geringer. Allerdings entspricht ein Minus von 15 Gramm – je nach Machart – einer bis zwei Tassen Kaffee. Dabei kommt es auf die individuellen Stärkevorlieben ebenso an, wie darauf, ob ihr gleich eine ganze Kanne Filterkaffee aufsetzt oder einen starken, frisch gemahlenen Espresso bevorzugt. Je nachdem werden in der Regel zwischen 7 und 12 Gramm Kaffee pro Tasse gerechnet – ihr schenkt den Supermärkten oder anderen Händlern also mehr als eine Tasse mit jeder gekauften Kaffeepackung.
2025-12-11T16:17:33Z