GEHT DOCH!: RADLER RICHTIG EINGIEßEN

Gut sah es schon aus, das Radler, wie es so in seinem schlanken Glas auf der Theke stand. Das Glas verjüngte sich in der Mitte. Da­durch war der Effekt entstanden, der auf den ersten Blick wie gewollt aussah. Oben war das Getränk dunkler. Etwa auf mittlerer Höhe, bei der Verjüngung des Glases, wechselte es die Farbe. Nach unten wurde das Radler heller, am Glasboden war es klar wie Limonade.

So schick das Ganze aussah, gut gemischt war es nicht. Schließlich ist das Radler ein Mischgetränk, und deshalb müssen sich Bier und Zitronenlimonade auch tatsächlich mischen und sollten nicht getrennt übereinander im Glas stehen.

Erst das Leichtere, dann das Schwerere

Die für die Mischung verantwort­liche Wirtin hatte das Glas so eingeschenkt wie die meisten Gastronomen: erst die Limo, dann das Bier. Der Grund: Das Getränk lässt sich so schneller eingießen, es schäumt weniger. Richtig ist das allerdings nicht, denn die Zutaten vermischen sich auf diese Weise schlecht.

Nun ist Bier und alles, was damit zu tun hat, in Bayern ein Kulturgut. Die Frage des richtigen Einschenkens eines Radlers wird dort so ernst genommen, dass sich sogar die bayerische Verbraucherzentrale damit beschäftigt. Und die rät, zuerst das Bier ins Glas zu ge­ben und oben drauf die Limonade. Das Bier hat mit seinem Alkoholgehalt eine geringere Dichte, die Limo mit ihrem Zucker ist schwerer. Wenn das Leichte unten und das Schwere oben ist, mischt sich alles wie von selbst, und das Ge­tränk bekommt von oben bis unten ei­ne gleichmäßige Farbe und Qualität. So schmeckt es das ganze Jahr über, nach einer Wanderung durch den herbst­lichen Wald oder am Abend eines Skitags im Winterurlaub.

Diese Reihenfolge – erst das Leichtere, dann das Schwerere – gilt übrigens ebenso für andere selbst gemischte Ge­tränke, zum Beispiel Apfelschorle. Das Patenkind hat das schon lange begriffen. Von klein auf hat das Mädchen da­rauf bestanden, dass zuerst der Sprudel eingeschenkt wird und dann der Saft. „Das schmeckt sonst nicht“, hieß es stets.

Recht hat das Kind. Apfelsaft mit seinem Zucker und den übrigen Inhaltsstoffen ist schwerer als Mineralwasser, sinkt beim Eingießen nach unten und mischt sich anschließend auf zufriedenstellende Weise mit dem Wasser.

2022-11-26T11:43:16Z dg43tfdfdgfd